Flüchtlinge in Ingolstadt

„FLÜCHTLINGE SIND AN ALLEM SCHULD“
„Menschen begegnen – Bereicherung durch Verschiedenheit“ heißt ein Themenbereich im Religionsunterricht der 8. Jahrgangsstufe. Die kulturelle und religiöse Pluralität unserer Gesellschaft, Hindernisse und Wünsche für ein gelingendes Miteinander, Fremdenfeindlichkeit und Gastfreundschaft, Respekt und Toleranz sind hier zentrale Themen.
Im Unterricht kamen immer wieder Ängste und Sorgen der Schüler zum Thema „Flüchtlinge“ zur Sprache, die häufig mit Vorurteilen und unklarer Sachkenntnis durchsetzt waren. Aus diesem Grund lud Frau Kieler-Winter die Ehrenamts-Koordinatorin der Stadt, Frau Barbara Blumenwitz, die das Netzwerk Asyl Ingolstadt betreut, zu einer „Aufklärungsstunde“ ein.
Ziel der Stunde war es, die Schüler mit solidem Wissen zum Thema „Flüchtlinge und Asyl“ auszustatten, die vielfältigen Vorurteile rund um Flüchtlinge zu entkräften und Offenheit und Toleranz im Umgang mit Flüchtlingen zu schaffen.
In einem ersten Schritt warnte Frau Blumenwitz die Schüler vor unreflektierten Meinungen, die in den sozialen Netzwerken verbreitet werden. Hier posten häufig Menschen, die persönlich überhaupt keinen Kontakt zu Flüchtlingen haben, ihre eigenen Anschauungen als Tatsachen und wieder andere verbreiten diese unreflektiert und unwidersprochen weiter.
Nur teilweise entsprechen manche Aussagen durchaus der Wahrheit, allerdings müssen sie von zwei Seiten beleuchtet werden. So stimmt es zwar, dass fast alle Flüchtlinge ein Smartphone besitzen, der Grund dafür ist aber das Fehlen eines intakten Festnetzes schon in der Heimat und die Tatsache, dass für die Flucht ein internetfähiges Handy zwingend nötig ist, um die Daten der Schlepper empfangen und Zahlungen leisten zu können.
Auch für die Frage, wieso Flüchtlinge es sich leisten können, Markenkleidung wie T-Shirts von Adidas oder Turnschuhe von Nike zu tragen, hatte Frau Blumenwitz eine einleuchtende Erklärung. Flüchtlinge holen sich häufig Kleidung aus der Kleiderkammer. Wer hier die Wahl hat, greift natürlich gerne zur Markenkleidung, um sich dem Stil seiner Mitmenschen so gut es geht anzupassen.
Frau Blumenwitz stellte klar heraus, dass ein Flüchtling niemandem die Arbeit wegnehmen kann. Sie untermauert ihre Aussage, indem sie konkrete Einblicke gibt in die rechtlichen Regelungen d.h. in die konkreten Anforderungen, die erfüllt sein müssen, damit ein Flüchtling oder Asylbewerber arbeiten darf.
Von wegen „...die sollen mal arbeiten!“ – so einfach ist das in Deutschland von den rechtlichen Bestimmungen her nicht. Von den 1903 Flüchtlingen, die momentan in Ingolstadt untergebracht sind, gehen 492 Personen einer Beschäftigung nach ( Arbeit, Ausbildung, gemeinnützige Tätigkeit, Studium, Schule ). Die finanziellen Leistungen, die ein anerkannter Asylbewerber ohne Arbeit erhält, entsprechen ungefähr den Leistungen nach Hartz IV, nach Abzug einer Pauschale für Wasser und Strom bleiben etwa 330 Euro für eine Einzelperson im Monat. Das reicht gerade mal für das Lebensnotwendige.
Vom humanen Standpunkt aus ist es von Bedeutung, immer auch den einzelnen Menschen in Blick zu nehmen, d.h. seine Gedanken, Gefühle, seine Ängste und Probleme. Auf der Flucht vor Krieg, Hunger oder Verfolgung musste jeder sein Leben riskieren, musste er manches zurücklassen, was ihm viel bedeutet hat. In Deutschland lebt er auf engstem Raum mit Menschen zusammen, mit denen er sich vielleicht nicht versteht. Er ist allein, beherrscht von der Angst - Angst um die Angehörigen im Heimatland, Angst vor Abschiebung, vor Gewalt, vor der öffentlichen Meinung. „Angekommen am Ziel der Träume!?“ .... das sind sie in den seltensten Fällen...
Als Christen, die wir uns am Gebot der Nächstenliebe orientieren, ist es unsere Aufgabe zu helfen, appelliert Frau Blumenwitz, die sich auch im Kirchenvorstand einer evangelischen Gemeinde engagiert.

Jutta Kieler-Winter